Marokko…Part 1

Die Erfahrungen und Eindrücke bezüglich Marokko, die wir im Vorfeld, von allen möglichen Reisebekanntschaften erfragt haben, hätten unterschiedlicher kaum sein können…mag wohl auch daran liegen, dass die Menschen sehr verschieden waren, mit denen wir gesprochen haben! Am Besten ist es sicher sich selbst eine Meinung zu bilden, selbst seine Erfahrungen zu machen und ein Land wie Marokko einfach für einige Zeit auf sich wirken zu lassen…deshalb haben wir uns auf den Weg gemacht, zu einem neuen außereuropäischen Abenteuer, auf einen anderen Kontinent, in eine neue Kultur, in eine völlig neue Landschaft…die Wüste!

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Wir waren also gespannt und neugierig auf Marokko!

Marokko´s  Küste 

Tajine, Städte, wilder Atlantik

Wir sind jetzt seit ca. 4 Wochen unterwegs und die Eindrücke sind so schön, vielseitig und aufregend wie zu erwarten war! Manchmal sind es so viele auf einmal, dass man aus einem Tag auch 2 machen könnte!

Angefangen hat die Reise für uns im Rifgebirge…dort haben wir unseren Kumpel Ronni, den wir letzten September in Montenegro kennengelernt haben und mit dem wir durch Albanien gefahren sind wiedergetroffen. Er war schon ein paar Tage vor uns angekommen und hatte sich in Chefchaouén auf einem kleinen Campingplatz einquartiert…also war dieses nette, kleine, hellblaue Dörfchen am Rande des Rifgebirges unser erster Halt in Marokko. Schon auf den letzten Kilometern vor Chefchaouén wollte uns jeder 2te am Straßenrand unbedingt was zu kiffen verkaufen…vor 10 Jahren hätten wir uns wahrscheinlich im Paradies gewähnt…Heut zu Tage haben wir uns mit einem kleinen Abstecher in die verschlungenen, engen und hellblauen Gassen der Altstadt für ein Abendessen mit Tajin und Tee, das Nationalgericht und -getränk begnügt.

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Im Rifgebirge

Am nächsten Mittag ging´s weiter Richtung Fees…und um einen Eindruck von der Gegend zu bekommen sind wir durch´s Gebirge gefahren, leider hat uns der Regen und der Nebel um alle landschaftlichen Eindrücke gebracht…dafür wissen wir jetzt mit Sicherheit, wo man hinfahren muss um sich für seinen Marokkotrip mit Rauchware einzudecken! Wenn man einfach nur wegen der Landschaft durchfahren will, ist es eher anstrengend…weil alle möchten ihr Zeug loswerden…

Fees haben wir leider nur zum Abendessen und Frühstück gesehen, weil wir am nächsten Tag Patrizia in Casablanca in Empfang nehmen wollten und die Strecke eher etwas unterschätzt hatten…trotzdem sind wir in den Genuss unseres ersten Couscous (Freitag ist in Marokko CouscousTag) und Pastilla (Pastete mit Geflügelfleisch, Gemüse und darüber Puderzucker&Zimt) gekommen! An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass das Essen hier sehr lecker ist, mit viel Gemüse und Gewürzen zubereitet! Auch Obst ist super günstig, frisch und vor allem reif von Baum oder Strauch zu haben! Als wir vom Frühstück zurück zum Parkplatz kommen, sehen wir eine Lache unter unserem Auto und hoffen zuerst es sei nur Wasser…aber es ist Diesel…Als wir gestern über eine echt fiese, versteckte Bodenwelle bzw. einen Speedbreaker gedonnert sind, haben wir uns wohl ein kleines Loch in den (etwas rostigen) Tank geschlagen…:(
Hier wird wohl unsere erste Reperatur (in 6 Monaten) fällig…bis jetzt sind wir von allem verschont geblieben…und Tobi drückt jedem der es hören will (oder auch nicht) auf´s Aug, dass das an der hervorragenden Qualität unseres deutschen Markenfabrikats Magirus Deutz liegt…;)
Natürlich geht dann was kaputt, wenn man einmal im halben Jahr einen Termin hat…21.30Uhr Casablanca Flughafen…Schwesterherz abholen! Zum Glück ist das Loch nicht so groß, dass der Tank unbrauchbar wäre und Tobi wäre nicht `MopedTobias`, wenn ihm nicht´s für diese Missere einfallen würde! Da der Haupttank geschwächt ist, wird der Zusatztank befüllt, von dem dann immer wieder während der Fahrt in den Haupttank umgepumpt werden kann! So kommen wir gut durch bis Mohammedia in der Nähe von Casablanca!
Repariert werden muss der Tank trotzdem und weil am nächsten Tag Sonntag ist und in Marokko am Sonntag ebenfalls geruht wird, stehen wir 2 Tage auf einem netten kleinen Campingplatz in `Fatimas Hand`…kommen mal gemütlich im warmen Marokko an und können ein Wiedersehen mit Patrizia und Ronni zelebrieren!

Im Vorfeld hört man viele wilde Geschichten über kleine Trickbetrüger in Marokko…manche Begebenheiten sind lustig, manche kurios, aber eigentlich alle kreativ. Bei uns sollte es (das 1ste Mal!) in Marrakesh soweit sein…als wir zu Beginn der Reise über die Grenze sind, war alles so neu und spannend, man ist aufgeregt und auch ein bisschen auf der Hut, nach all den Stories…doch dann stellt man recht schnell fest, nicht jeder versucht dir den Geldbeutel oder den Pass zu klauen…ganz im Gegenteil, als Tourist bekommt man ganz schnell das Gefühl einen Sonderstatus zu haben. Man legt also seine Vorsicht etwas ab, akklimatisiert sich und beginnt immer mehr einzutauchen ins Land und Vertrauen zu fassen. Schon am Vorabend haben wir einen kleinen Vorgeschmack auf die Verkaufsqualitäten und Motivation bekommen, die die Männer bei den Essensständen auf dem Djamâa el-Fna an den Tag legen. Von gemütlichem Durchschlendern keine Spur, jeder will dass du bei ihm sitzen bleibst und das beste Essen des Platzes bei ihm einnimmst! Im Großen und Ganzen gibt es zwar überall das Gleiche, vor allem Tajin (das Nationalgericht, wird in einem Tongefäß auf Kohlen zubereitet, mit den typischen Gewürzen wie Cumin, Zimt und anderen für unseren Gaumen exotischen Geschmäcken), Pastilla, Oliven, Salade Marocaine mit Tomaten und Zwiebeln, gebratenes Gemüse und natürlich auch allerlei Fleisch! Wir entscheiden uns nach Möglichkeit immer für den unaufdringlichsten Gastgeber…nicht so leicht! Als wir endlich sitzen und gewählt haben, passiert Ronni beim Bestellen ein kleiner Verständigungsfehler und statt unser Tajin mit allem möglichen Gemüse zu bestellen, bekommen wir alle möglichen zusätzlichen Tellerchen…wir nehmen´s gelassen und haben uns somit durch die Angebotspalette probiert und sind danach mehr als gesättigt! Zum Glück ist unser Stellplatz ganz in der Nähe des großen Platzes und wir fallen bald ins Bett.

Am nächsten Tag schlendern wir durch die Altstadt von Marakkesh und genießen die engen Gassen und versuchen die verschiedenen Souks (HandwerkerViertel) zu finden…die Medina ist ein verwobenes Gassengewirr und wir glauben nur allzu gern, das man sich hier verlaufen und verloren fühlen kann, vor allem nachts! Am Vorbeigehen wird man eigentlich an jedem Geschäft angequatscht, es gibt viele schöne Sachen zu bestaunen…in der ersten halben Stunde kaufen wir ein bisschen ein, aber schon nach einer Stunde ist klar, man kann (leider!) nicht stehen bleiben und in Ruhe schauen, geschweige denn irgendetwas anfassen…schon bist du in den Fängen der Verkäufer und wirst bearbeitet…sich wortlos abzuwenden ist nicht immer leicht! Leider hat den Verkäufern in Marakkesh noch niemand hinreichend verklickern können, dass die Europäer lieber und mehr kaufen, wenn man sie dabei ein bisschen in Ruhe lässt! Wir schlendern weiter und versuchen die Metallarbeiter und die Schmuckhersteller zu finden, als uns jemand fragt ob wir auf dem Weg zu den Gerbern wären? -Nein, aber warum eigentlich nicht…? -„Dann seid ihr in die richtige Richtung unterwegs…nein, ich bin kein Touristenführer! Willkommen in Marakkesh! Au revoir!“…
Wir gehen weiter in die angegebene Richtung! Patrizia sagt noch: Ach wie schön, das ist, dass einem nicht jeder was aufdrängen will!…An einer Schlüsselstelle, der nächste spontane Helfer…und zufällig kommt noch sein Kumpel mit dem Moped vorbei, das er (komischer Weise!) schiebt, obwohl es in der Medina nur so wimmelt von 2Rädern!
„Folgt ruhig meinem Kumpel, der geht grad zufällig in die richtige Richtung…in eure Richtung, ihr wollt doch zu den Gerbern, oder?“
Und schon haben sie uns…und wir haben es kaum bemerkt…Dann kann man auch den aufwendigen Prozess des Tierhäuteverarbeitens riechen. An einem der Tore zu den Hinterhöfen werden wir bereits von einem gut gekleideten Mann in Empfang genommen und bekommen gleich mal jeder einen Zweig Minze in die Hand 
gedrückt  gegen den stechenden Geruch. Er führt uns in einige Hinterhöfe, wo lauter Becken mit Lauge, Felle und zum Teil Männern, die in der Brühe die Häute bearbeiten zu sehen sind.

In einer anderen Ecke des Hinterhofs wird mit Schabern das Fell endgültig von der Haut abgeschabt! Körperliche Schwerstarbeit unter gesundheitlich schwer bedenklichen Bedingungen! Und trotzdem kosten die fertigen Produkte (Schuhe, Taschen, Jacken,…) verhältnismäßig wenig! Aber unsere Tour ist noch nicht beendet und es geht weiter vorbei an Werkstätten in denen Schuhe zusammen genäht werden und bis auf den Färbeprozess haben wir sämtliche Arbeitsschritte kurz zu Gesicht bekommen! Und der Rundgang endet natürlich…in einem Geschäft für Lederwaren! Mal schauen ob wir hier wieder rauskommen ohne was zu kaufen…irgendwie schaffen wir es uns freundlich mit leeren Händen zu verabschieden…aber draußen wartet noch unser Führer und der ist noch nicht fertig mit uns…er will 300Dirham (umgerechnet ca. 30€ – viel Geld in Marokko!) Wir diskutieren eine ganze Weile und wimmeln ihn mit 120DR ab (immer noch viel Geld in Marokko!) Naja, haben wir das auch mal mitgemacht! Interessant war´s ja auch, aber nicht ganz fair…erst tut jeder so als gäb´s was umsonst und dann wird man Länge mal Breite zur Kasse gebeten! Eine gut organisierte Kette von Leuten, die einem langsam das Geld aus der Tasche ziehen!

Am nächsten Tag geht´s weiter Richtung Essaouira, ein Stück weiter an der Küste bei Sidi Kaouki finden wir ein einsames Plätzchen unter Eukalyptusbäumen und zwischen kleinen Dünen, wo wir für 2 Nächte stehen. Seele baummeln lassen, lesen, Schildkröten und Skorpione entdecken, Lagerfeuer machen,…

Essaouira ist ein kleineres Städtchen an der Küste, wo wir unsere ersten Kamele bzw. Dromedare (Touristen Attraktionen) zu sehen bekommen! Dieses Städtchen ist weniger aufdringlich und entspannter als Marrakesh. Den Abend verbringen wir in einer französisch geführten Strandbar, wo auch Bier ausgeschenkt wird…im Garten gibt´s ein Lagerfeuer und Livemusik und da wir eigentlich die einzigen Gäste sind, bekommen wir ein Privatkonzert!

Weiter an der Küste Richtung Agadir finden wir Cap Tafedni einen genialen Platz überhalb eines wunderschönen Strands…leider kann man nicht bis an den Strand fahren, aber am Atlantik sollte man sich das eh immer 2x überlegen! Das Mittelmeer ist gegen den Atlantik die reinste Badewanne…der Atlantik ist rau und unberechenbar, die Wellen sind oft 3-4 Meter hoch! Den ein- und auslaufenden Wellen zuzuschauen ist ein meditativer Prozess, den man den ganzen Tag verfolgen könnte…und dafür haben wir den perfekten Platz auf einer Klippe gefunden.

Nach einer Nacht hier wagen wir uns das erste Mal ein bisschen ins Gelände…leider sind wir nicht sicher wo genau uns dieser Trail hinführen will und vor allem bis wann zurück auf eine Straße! Da wir am nächsten Tag Patrizia schon wieder in Agadir auf den Flughafen bringen müssen, gehen wir kein zeitliches Risiko ein und drehen um. Auf Teerstraßen fahren wir weiter Richtung Agadir, ein wenig ins Hinterland auf einen OverlanderCampingPlatz. Hier gibt es einen Pool und Wäscheservice, also die eher luxuriöse Variante für Afrika…

 

 

 

2 Gedanken zu “Marokko…Part 1

  1. Hey Ihr Lieben, das wurde jetzt aber auch höchste Zeit das wir hier wieder auf dem laufenden gehalten werden;-) Bei den tollen Bildern bekomm ich jetzt immer gleich Urlaubsgefühle….Ganz liebe Grüße aus dem winterlichen Hamburg

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  2. Hey ihr beiden,
    toller Bericht! Mit den aggressiven Verkaufsstrategien der Einheimischen haben wir in Indien auch so unsere Erfahrungen gemacht und der Verkauf von Cannabis-Produkten ist in Nepal ähnlich verbreitet :D. Eure Fotos sehen super aus! Genau so aus wie ich mir Marokko vorstelle :-).
    Viel Glück für eure weitere Reise und auf dass das deutsche Qualitätsfahrzeug gut durchhält!

    Grüße
    Kevin (& Luisa)

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