Albanien – Im Land des Adlers…Allrad, Armut, Abenteuer

Wir haben uns entschieden Ronni und Wolfi in die Bergdörfer zu begleiten und so machen wir uns auf, die anderen Fahrzeuge und ihre Fahrer Hans und Michael zu treffen. Im Konvoi von 4 Fahrzeugen geht es über die albanische Grenze, wo wir kurze Zeit später an einem Schotterplatz für die Nachtruhe halt machen. Es muss ein Treffpunkt für die sexuelle Vereinigung sein, da überall gebrauchte Gummis und blutige Taschentücher herum liegen…dazu noch der Geruch von Verwesendem im Straßengraben (ein toller Platz!).
Also schnell weiter Richtung Tirane, dann noch einige Kilometer Asphaltstraße, bis wir die befestigte Straße verlassen und uns auf Schotterpisten in die Berge hoch schrauben. Anfänglich noch schwer beeindruckt vom Holpern und Kleppern wird man(n) von Kilometer zu Kilometer entspannter und sicherer, dass unser Eigenheim diesen Belastungen stand hält.
Einige Stunden geht es dann über bessere und schlechtere Pisten auf und ab, bis wir das kleine Bergdorf Porocan am Abend erreichen, wo wir von einer Horde Kinder, dem Arzt und einigen anderen Dorfbewohnern freundlich in Empfang genommen werden. Ein wenig geschnackt und die Öffnung der Dorfbar veranlasst, lassen wir den Abend mit dem ein oder anderen Bierchen ausklingen.
Aufgewacht, gefrühstückt und los Richtung Holtas, ein weiteres kleines Dorf mit Schule, am Berg nebenan wo die Pakete mit Kleidung, Schuhen und anderen Dingen verteilt werden sollen.
Der Weg dorthin wird schon etwas spannender – mit diversen Bach- bzw. Flussdurchquerungen und dann steil bergauf bis der Weg für die größeren LKW´s endet und wir die Pakete in Michael´s „Armeisenfahrzeug“ umladen, um sie zur Schule zu bringen! Ich darf auch mal fahren (ein echtes Geländemonster mit sum-sum Antrieb), cool!
Bei der Schule angekommen, werden die Pakete ausgeladen und an die ca. 110 Familien, die hier in den umliegenden Bergen wohnen verteilt. Es ist ein hartes Leben in den Dörfern hier! Die Leute haben kaum Geld und sind überwiegend Selbstversorger! Besitzt man ein Moped, gehört man zu den besser Gestellten!
Es ist schön, zu sehen dass die Menschen hier auch ohne viel zu besitzen, das fängt bei Schuhen an, die nicht kaputt sind, trotzdem glücklich und zufrieden sind. Aber irgenwie hat es auch einen bitteren Beigeschmack, hier mit seinem Reiselaster zu stehen mit Mountainbikes und einem Haufen anderem Vergnügungs-Krimskrams auf und im Auto, aber so ist das nun mal. Wir haben wohl den Bezug zu materiellem in Deutschland verloren und wissen oft gar nicht wie unwahrscheinlich überflüssig wir dort leben.
Nachdem alle Pakete verteilt worden sind und ein Ofen für die Schule ausgeladen ist, machen wir uns auf den Rückweg nach Porocan, wo weitere Öfen ausgeladen und angeschlossen wurden.

Am nächsten Tag brechen wir Richtung Bishnice auf, wo weitere Öfen für ein Internat vorgesehen sind. Wir geben den Weg in unser Navi ein, das auf Anhieb auch eine  Strecke findet: 91km – 1,5h…soweit so gut. Unterwegs machen wir an einer nahe gelegenen Krankenstation und einer winzigen Schule halt, bringen einen Ofen in die Station und einen in die Schule wo fünf kleine Scheißer total artig hinter ihrem Tischchen im Dunklen sitzen (da es keinen Strom gibt!) und ihre Aufgaben machen. Weiter geht´s Richtung Gramsh, eigentlich auf guten Straßen…nach dem Essen in Gramsh verlassen wir auch schon bald wieder die befestigten Wege und schrauben uns erstmals auf noch recht guten Schotterpisten die Berge hoch. Kilometer für Kilometer wird die Piste holpriger und matschiger, die Abgründe neben uns steiler und Nadine´s Nerven immer weicher. Steilkehren, kaputte Brücken, Matschlöcher lassen uns immer langsamer werden und Nadine´s Nerven…! Die Strecke entpuppt sich als volle Offroader-Piste und ich bin mir oftmals nicht sicher, ob unser Wagen das packt.
Aber er erweist sich als wirklich geländegängig!
Leider kann ich die Gefühlsregungen in den haarigen Situationen nicht wirklich in Worte fassen, aber es war durchaus sehr spannend und ich bin froh, dass wir diese Strecke gut überstanden haben. Unser Navi hatte recht, es waren 91 km, aber wir benötigten 2 Tage dafür auf den letzten 25 km vergingen 8h…wir sind mit unserem Hinterrad in ein ausgespültes Loch gefahren, hatten einen Steinbrocken aus dem Weg zu räumen und mussten Hans aus dem Matsch ziehen. Bei einer Zwangspause um
Hans´  Laster zu reparieren kam ich in den Genuss, einen 4×4 Muhli zu testen, absolut geländegängig so ein Esel. Vielleicht das Richtige für die nächste Reise…?;)
In Bishnice angekommen werden wir von einer Horde Kindern in Empfang genommen. Ist ja alles sehr lieb, wir sind aber nach 8h Offroad fertig und die Kinder sind ganz schön anstrengend. Wir treffen hier Tobi, Andreas und Martin, die 3 Zimmerer arbeiten hier seit 3 Monaten und machen diverse Bauprojekte mit den Einwohnern und Kinder des Dorfes. Die Kinder hier im Dorf sind aufdringlicher als in den vorherigen Dörfern, einige von ihnen wollen unbedingt die Fahrräder vom Autodach und ich bin hin- und her gerissen, ob ich sie herunterholen soll…beschließe aber, dass das wohl keine gute Idee ist! Unsere Fahrräder  sind für die Kinder viel zu groß und wahrscheinlich würde Streit ausbrechen, wer es benutzen darf.
Also muss ich den Kindern leider die Benutzung verneinen…ein doofes Gefühl!
Am nächsten Tag machen wir kleinere Reparaturen am Auto, bringen unsere Staubox wieder in ihre ursprüngliche Form zurück, sie ist beim ins Loch rutschen ein wenig zerknautscht worden! Wunderbar das Formengedächnis der Objekte aus Plastik! Dann gehen wir mit den Zimmerern in den Wald um Brennholz zu machen.
Am Abend ist die Abschiedsfeier der 3 Zimmererjungs im Geräteschuppen/Werkstatt/Lager, den sie gebaut haben, dort wird mit den Helfern aus dem Dorf, den Mutti´s aus dem Internat und den Waisenkindern gegessen und natürlich Raki getrunken (ausgenommen die Kinder!).
Unsere letzte Station in Albanien führt uns nach Pogradec, wo die letzten Öfen hin sollen…wir fahren auf schmierigen und matschigen Wegen durch die Berge bis wir irgendwann wieder feste Straßen erreichen und quetschen uns noch durch einen Markt, wo die Leute schwer mit Verhandlungen beschäftigt sind und nicht daran denken wegen 2 LKW´s aus dem Weg zu gehen! Danach haben wir freie Fahrt auf breiten, geteerten Straßen, bis in den Stadtkern von Pogradec…

Hier stehen wir mitten in der Stadt auf einer Wiese hinter einem großen Block. Wir laden die Öfen aus, freuen uns auf eine warme Dusche! Die erst seit einer Woche! Gehen zum Einkaufen und zum Pizza essen. In der Nacht gibt es ein heftiges Gewitter und sintflutartiger Regen läßt die Straßen durch die Stadt, runter Richtung Oridsee zu wadentiefen Bächen werden. Zum Glück hat uns dieser Regen nicht auf den unbefestigten Bergstraßen überrascht!
Das Ausparken am nächsten Morgen wird durch den heftigen Regen vom Vorabend zu einer neuen Challenge…zum ersten Mal steckt auch einer der großen LKW´s fest! Ronni wollte sich morgens nicht gleich die Füße nass machen und seinen Wagen etwas zurücksetzen in einen weniger überschwemmten Abschnitt unseres Nachtlagers…dann stand er bis zur Achse im Matsch und wir müssen ihn mit 2 LKW´s befreien.
Michael nimmt dies zum Anlass, mit seinem „Ameisengefährt“ das Grundstück umzugraben…was die Besitzer des Platzes später nicht gerade glücklich macht! (Komisch!!) Man darf in Albanien viel und die Leute stören sich an wenig, aber auch hier ist Feingefühl für den Grund und Boden Anderer angebracht. Naja, ich find´s ja auch nicht so cool wenn irgend jemand mit seinem Geländewagen durch meinen Garten pflügt.
Wir werden Albanien an diesem Tag noch verlassen, in Mazedonien unsere Tanks mit Diesel füllen (ca. 80ct!) und nach Griechenland einreisen. Es ist auch der Tag der Verabschiedung von Hans und Michael. Leider auch von Ronni und Wolfi…ohne euch hätten wir diese aufregende Tour wohl nicht gemacht!
Es hat mich riesig gefreut euch kennengelernt zu haben und danke für die Einführung in´s  Offroad-Fahren. Es waren super Tage mit euch und ich freue mich schon auf ein Wiedersehen!
Danke auch an dich, Hans für die Instruktionen und für das Eintauchen in ein anderes Land.

 

 

3 Gedanken zu “Albanien – Im Land des Adlers…Allrad, Armut, Abenteuer

  1. Ich weiß jetzt nicht, ob das mit meinem letzten Kommentar geklappt hat. Nun schreib ich es nochmal: Wir sitzen gerade bei Rickschen und haben den letzten Beitrag über Albanien gelesen: Wir sind schwer beeindruckt von der Tour! Echt toll, was ihr erlebt. Durch den Beitrag konnten wir kurz in eure Welt mit eintauchen. Ich bin gespannt was ihr als nächstes erlebt und uns teilhaben lässt.

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  2. Hey ihr Zwei, das sind super tolle Bilder! Kaum zu glauben, dass das gleich um die Ecke ist! Und bei den kleinen Abhängen neben den Strassen kann ich das mit Nadines Nerven suuuper gut nachvollziehen;-) Glg

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  3. Moin ihr drei,
    na das sind ja tolle Bilder! Da hat sich die Kamera ja gelohnt 😉
    Wie ich sehe gehts euch gut und das Abenteuer ist nicht zu knapp.

    Liebe Grüße aus Hamburg und euch noch eine Tolle Reise. Auf das ihr heile und Glücklich nach Hause kommt!

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